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Schmitze ihr Schmett

Die alte Schmiede in der Brunnenstraße

Ehemalige Schmiede in der Brunnenstraße

Ungefähr in der Mitte der Brunnentraße liegt ein Gebäude, das heute auf den ersten Blick gar nicht besonders auffällt: Ein Wohnhaus, daneben eine Toreinfahrt und ein Werkstattgebäude, daneben nochmal die Einfahrt zu einer Halle. Als historisches Gebäude fällt das ganze schon deswegen nicht auf, weil es offenbar in den 60er oder 70er Jahren mit großen modernen Fenstern versehen und verputzt und angestrichen wurde, der Dachbereich der Werkstatt in noch jüngerer Zeit zu Wohnzwecken ausgebaut wurde.

Schmiede in den 1930er Jahren

Man muss schon genau hinsehen, um auf dem Giebel des Wohnhauses eine eiserne Wetterfahne zu entdecken, und damit wird dann auch deutlich, dass es sich hier um eine ehemalige Schmiede handelt, zeigt die Fahne doch das Beschlagen eines Pferdes und sie verrät auch, dass das Gebäude im Jahre 1924 erbaut oder wenigstens umgebaut wurde, von Personen, deren Namen mit F. Sch. und H.K. beginnen. So sah das Ganze noch bis in die Nachkriegszeit aus.

Es handelt sich also um ein ehemals für das Dorf wichtiges Gebäude, nämlich die alte Dorfschmiede, und zwar um eine solche mit einer sehr weit zurückreichenden Geschichte. Diese wird fassbar mit der Familie, die dort über wenigstens neun Generationen wirkte, d.h. etwa 300 Jahre lang seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Und diese Familie hieß bezeichnenderweise Schmidt oder Schmitz. So heißt es im Alfterer Kirchenbuch zu einem 1731 zu einem damals verstorbenen Johann Schmidt „Mann, namens und überhaupt Schmied“.

Hufschmiede bei der Arbeit

Wie in den anderen Dörfern des Vorgebirges gehörte eben auch in Roisdorf bereits vor Jahrhunderten eine Dorfschmiede dazu, die man dringend benötigte, damit dort das landwirtschaftliche Gerät, also Pflüge, Eggen, Spaten, Mistgabeln und was sonst noch immer aus Eisen bestand, hergestellt und repariert wurde, aber natürlich ging es auch um das Beschlagen der Hufe der Pferde, soweit man solche besaß. Hier der Blick in eine traditionelle Hufschmiede, nicht die Roisdorfer, aber wie man sich auch die der Familie Schmitz vorstellen darf.

Uniformknopf der Bonn-Cölner-Eisenbahn

Die Schmitze waren nun in besonderer Weise kreativ. Wir wissen von ihnen aus den Notizen über seine Familie, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts ein Gottfried Schmitz angefertigt hat. Und er berichtet so über einen Heinrich Schmitz, der als Fahnenschmied in der Armee von Napoleon durch halb Europa zog, über einen gleichfalls Gottfried heißenden Vorfahren, der die Chance ergriff, als im Jahre 1844 die Bonn-Cölner-Eisenbahn mit einer Station in Roisdorf eröffnet wurde. Er erlernte das Pumpenhandwerk und übernahm die Wartung und Pflege der großen Schwenkpumpen für Lokomotiven. Die Schmiede nahm ihren Aufschwung und beschäftigte jetzt sogar einige Gesellen.

alte Roisdorfer Pumpe auf dem Rathausparkplatz

Hinsichtlich der Pumpen blieb es nicht bei denen für die Eisenbahn. Meister Schmitz ließ sich aus dem Ruhrgebiet Schwengelpumpen kommen und stattete damit zuerst Roisdorf, und dann auch die anderen Dörfer des Vorgebirges aus, er installierte sowohl öffentliche Pumpen in den Straßen als auch solche in den Höfen der Bauernhäuser. Die Zeiten, in denen man mit Eimern Wasser aus dem jeweiligen Dorfpütz holte, waren vorbei. Erhalten ist davon wenig, aus Roisdorf noch eine Schwengelpumpe, die einst in der Brunnenstraße bei dem Hause Romes stand und die heute recht verloren den Parkplatz des Bornheimer Rathauses ziert. Was mit ihr weiter geschehen soll, ist unklar. Aus Hersel hat man Interesse gezeigt, sie dort restauriert aufzustellen, doch hat sich hiergegen in Roisdorf gleich energischer Widerstand gebildet.

Göpeldreschmaschinen des 19. Jahrhunderts

Aber es ging noch weiter. Ab etwa 1850 konstruierte man Dreschmaschinen, zuerst solche, die mit der Hand betrieben wurden, dann solche mit sog. Pferdegöpeln. Die Gussstücke bestellte man bei Fabriken, die Holzteile lieferte ein Waldorfer Stellmacher. Auch der Roisdorfer Ortsvorsteher Lambert Rech bezog eine Dreschmaschine von den Schmitze.

Fuhrpark des Roisorfer Brunnens 1901

Ein weiteres Geschäftsfeld war ab den 1870er Jahren der Roisdorfer Mineralbrunnen, der damals unter dem neuen Pächter Wilhelm Custor als Industriebetrieb ausgebaut wurde. Die vielen Fuhrwerke des Brunnens mussten gefertigt und instandgehalten, die Pferde beschlagen werden, es waren vor dem Ersten Weltkrieg 10 bis 15 Gespanne. 3 bis 4 Gesellen gab es in der Schmiede, weitere auf Außenarbeit. Franz Schmitz, der Vater von Gottfried Schmitz, von dem wir all dieses wissen, betätigte sich auch noch gelegentlich als Pferdehändler, und natürlich betrieb man neben allem auch noch Landwirtschaft. Gemäß Gottfried waren die emsigen Schmitze nach den Fabrikbesitzern Gammersbach, dem Brunnenpächter Custor und den Jüssens, den Bertreibern des Clarenhofs, die wohlhalbenste Familie in Roisdorf.

Roisdorfer Schützenbruderschaft ca. 1918

Aber man engagierte sich auch ehrenamtlich im Dorf. So spendete man großzügig für den Neubau der Pfarrkirche, waren Gottfried und sein Sohn Jakob zeitlebens eifrige Mitglieder der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, der Enkel Franz nach dem Zweiten Weltkrieg dort Brudermeister. Natürlich fertigte er in der Schmiede die Kugelpatronen selbst.

Schmiede von Jakob Krings in der Siegesstraße

Die Schmiede ging schließlich an dessen Schwiegersohn Peter Lanzrath über, der sie in den 1950er modernisierte und bis in die 1970er Jahre betrieb. Heute gibt es dort längst keinen Schmiedebetrieb mehr. Die Tradition wird indes in der Siegesstraße seit den 1920er Jahren im Betrieb von Jakob Krings senior und heute junior, gleichfalls aus der Sippe Schmitz stammend, fortgeführt.

Sessionsorden der KG Vorgebirgssterne 2019

In jedem Jahr wählt die KG Vorgebirgssterne e.V. als Motiv ihres Sessionsordens ein bemerkenswertes historisches Gebäude aus Roisdorf. Im Jahr 2019 entschied man sich für die traditionsreiche Dorfschmiede, "Schmitze ihr Schmett", die es verdient hat, einmal wieder stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt zu werden.