Über uns Geschichte Brauchtum Vorgebirge Mundart Termine im Ort Sitemap Intern Dateschutzerklärung
Startseite Brauchtum Der Mai, der Mai, der lustige Mai ...

Brauchtum


Feste und Feiern im Jahreskreis Karneval in Roisdorf Der Mai, der Mai, der lustige Mai ... Fastenzeit und Karwoche Kräutersegnung an Mariä Himmelfahrt Roisdorfer Großkirmes St. Martin in Roisdorf Advent und Weihnachten in Roisdorf Kinderspiele in Roisdorf 1939 bis 1948

Impressum Kontakt

Der Mai, der Mai, der lustige Mai ...

Maibrauchtum heute und einst

Der Junggesellenverein in Aktion

Corona-bedingt musste in den Jahren 2020 und 2021 das gesamte Maifest, nicht nur in Roisdorf, ausfallen. Immerhin platzierte der Junggesellenverein „Echte Fründe“ einen kleinen, aber feinen Maibaum am gewohnten Ort auf dem Dorfplatz vor der Pfarrkirche – dies als hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass die Pandemie das Orts- und Vereinsleben nicht besiegen wird.

Aufstellen des Maibaums am Festzelt 2017

Normalerweise, und hoffentlich wieder im nächsten Jahr, ist es jedoch stets am 30. April, dem Maiabend, wieder soweit: Unter großer Kraftanstrengung und angefeuert durch die zahlreich anwesende Bevölkerung richten die Mitglieder des Junggesellenvereins den stattlichen Dorfmaibaum auf.

Einzug des Maipaares 2014 und seines Gefolges

Alles wartet dann auf den Höhepunkt des Abends: Die Krönung des neuen Maikönigspaars. Begleitet von der Blasmusik der Roisdorfer Musikfreunde ziehen das vorjährige und das neue Maikönigspaar endlich auf den Dorfplatz ein, festlich gekleidet, von Ehrendamen und -herren begleitet.

Viel Volk bei der Krönung

Aus geistlicher Hand - seit 2006 der von Diakon Adi Halbach - empfängt das Maipaar die ihm zukommenden Insignien: die Ehrenkette für den Maikönig und das Diadem für die Maikönigin. Glückwünsche des Ortsvorstehers und der Ortsvereine schließen sich an.

Krönung des Maipaares 2017

Der Maikönig hat wenige Wochen zuvor für seine Auserwählte die größte Summe bei der Mailehenversteigerung des Junggesellenvereins geboten und darf nun den Frühling und Sommer über gemeinsam mit ihr die Roisdorfer Jugend auf den Junggesellenfesten der Dörfer ringsum repräsentieren.

Tanz unter der Junggesellenfahne 2017

Den Abschluss der Krönung bildeten der Ehrentanz des Maikönigspaares unter der Junggesellenfahne und ein Fähndelschwenken der Fähnriche des Junggesellenvereins.

Maifeier in der Mörnerstraße

Ein feuchtfröhlicher Abend schließt sich in jedem Jahr der Krönung an, nicht nur im fast überfüllten Festzelt, sondern auch an anderen Stellen des Dorfes, wo Nachbarschaften ihr eigenes "Maiansingen" veranstalten ...

Maiansingen der "Böömchesfründe"

... oder auch Thekengemeinschaften, wie die "Roisdorfer Böömchesfründe" bei der Gaststätte Hamacher, den Mai bei dem von ihnen aufgestellten großen Maibaum sangesstark begrüßen.

Manch einer begegnet auf dem Heimweg mit Maibäumen und johlenden Junggesellen beladenen landwirtschaftlichen Gefährten, unterwegs zu den Mädchen des Dorfes, denen von ihren Verehrern jeweils ein mit bunten Bändern geschmückter Maibaum gesteckt werden soll. In jedem Schaltjahr sind es seit einiger Zeit die Mädchen, die ihren Freunden den Maibaum stecken. Immer öfter sieht man als Maigrüße auch blumengeschückte Herzen, die bisweilen den Namen des jeweiligen Herzblatts tragen.

Maipaar und Gefolge in der Kutsche 2019

Am 1. Mai schließt sich das inzwischen schon traditionelle Junggesellenfest an, das seinen Höhepunkt in dem Festzug durch das Dorf findet. Begleitet von den Junggesellenvereinen der umliegenden Ortschaften samt deren Maipaaren und Fähnrichen sowie von den Roisdorfer Ortsvereinen grüßt das Maipaar aus der festlichen Kutsche.

Fähndelschwenken beim Umzug 2011

Beim "Vorbeimarsch" legen sich die Fähnriche der beteiligten Junggesellenvereine zu Ehren des Maikönigspaars besonders ins Zeug.

Kampf um den "Glockenpokal"

Ein buntes Programm mit Ehrentänzen und Fähndelschwenk-Wettbewerben im Zelt beschließt das gelungene Fest.

Junggesellenverein auf Haus Wittgenstein, ca. 1900

Ganz ähnlich ging es auch in früheren Zeiten zu, denn immerhin ist bereits für das späte 18. Jahrhundert ein solcher Verein in Roisdorf bezeugt.

Wie man den Mai im 19. Jahrhundert in Roisdorf feierte, hierfür liegt eine einzigartige Quelle aus der Feder des Ortsvorstehers Wilhelm Rech vor, der 1910 im hohen Alter die Erinnerungen an seine Jugend niederschrieb, welche im Folgenden im Wortlaut und der Schreibweise des Chronisten wiedergegeben seien.

"Ihr Vergnügen hatten die Leute früher auch, wenn meistens auch nur im Jahre dreimal Tanzmusik war. Die Jungen Leute bildeten auch jedes Jahr einen Verein, aber nicht wie heute, mit tüchtig Geld drauf machen, sondern um Geld zu sparen.

Dieser Verein wurde auf folgende Art gegründet, nur von jungen, heiratsfähigen Jünglingen. Man nannte solchen Verein einen Reih: Gewöhnlich an einem Fastnachtstage, traten die jungen Leute im Wirtshause, wo sie die Tanzmusik, auch Maispiel genannt, abhalten wollten (zusammen), wählten unter sich ein Oberhaupt, Schultheiß genannt, mit zwei Beisitzer, Schöffen genannt, dann einen Fahnenträger, Fendrich genannt, und einen Fax, genannt Hüssgen.

Nachdem man so den Vorstand konstituiert hatte, dauerte es gewöhnlich bis Ostermontag, dann versammelte sich der ganze Verein in ihrem Lokale wieder, um das so genannte "Mailehen" zu schreiben, und dieses bestand darin, das sämtliche heiratsfähige junge und alte Mädchen des Dorfes, von den jungen Leuten, die mit in dem Reih waren, unter sich ausgeboten, versteigert, und dem Meistbietendem zugeschlagen wurde, unter allerlei Schnurren, Witzen, und Ulken.

Der Ansteicher (Ersteigerer) durfte dann das betreffende Mädchen im Laufe des Jahres zum Tanze führen, selbstverständlich mit Ihrer Einwilligung. Bekam der betreffende Jüngling einen Korb, dann brauchte er für den Spott nicht zu sorgen. Kam ihm aber ein anderer ins Gehege, dann setzte es in der Regel blutige Köpfe ab.

Der Rest der Mädchen wurde zusammen ausgestellt. Wer diese dann ansteicherte (ersteigerte), hatte die Wahl und auch die Qual.

Am ersten Mai wurde den Mädchen wo sie wohnten einen grünen Mai auf das Dach gesteckt. Und an einem Sonntage im Mai wurde das Maispiel (Tanzmusik) abgehalten."

...

"Wie der männliche Teil sein Vergnügen hatte, so hatte der weibliche Teil früher ebenfalls ihr Vergnügen.

Wenn im Frühjahre, die Lenzessonne die Berge küsste, das junge Grün hervor sprosste und der Wald grün war, welches in den meisten Fällen im Monat Mai der Fall war, dann versammelten sich an einem Sonntage nachmittags die Jungfrauen Roisdorfs, holten im Walde einen grünen Mai (großen grünen Zweig), zogen damit auf den Hauptplatz des Dorfes, an der Kapelle (jetzt an der Kirche). Dann wurde eine Jungfrau bestimmt, die nahm den großen grünen Mai und musste sich mit diesem in der Mitte des Platzes aufstellen. Die anderen Jungfrauen fassten sich gegenseitig, Hand in Hand, zu einem großen Kreis rundherum um die Maikönigin, gingen dann so in dem großen gebildeten Kreise langsam rund und sangen das Mailied:

Der Mai, der Mai der lustige Mai
ist heran gekommen.
Ich nahm mein Schwert,
Ging in den Busch
Und holt mit meinen Zweig
Und der war grüne.

In Roisdorf steht ein neugebautes Haus
Da geht mein Schatz ein und aus
u.s.w., u.s.w. .....

Die Burschen hatten sich aus Erlenrinde ein Horn gemacht, ein Maihorn, bliesen in dies Maihorn und tanzten den Reigen später."

Das von Rech leider nur mit seinem Anfang und in hochdeutscher Übertragung zitierte Lied war nur eines der traditionellen Mailieder des Vorgebirges. Sein vollständiger Text wurde im Jahr 1847 von einem Kölner Lehrer namens Wacker aufgezeichnet, der auf einer Wanderung durch das Vorgebirge unversehens Zeuge einer Maifeier, wie der oben beschriebenen geworden war. Leider war er, wie die merkwürdige Schreibweise mancher Wörter verrät, offenbar des Vorgebirgsplatts nicht mächtig:

Der Mai, der Mai, der lustige Mai,
Er kummt daher geruschen.
Ech brach mir ‘ne Mai
Un ging mit ‘nem Schwert
Durch einen Beusch, war grone.

Ech ging vor Herzliebst Fenster stonn
Un sprach mit falscher Zunge:
“Herzlieb, stand op
Un lass mich herein!
Ech bring’ dir ‘ne Mai mit ‘ner Rose.“

„„Ech stonn nit op, ech lass dich nit herein,
Wohl um den Mai zu pflanzen.
Mein Bett steht fest,
Es trägt ‘ne schwere Last,
Das thut sich der Mai, der bose.

Steh’ und setz’ ihn auf die weite, breite Straße,
Damit er nich befriere:
Der Mai’sch koole Dau
Der is sich also kalt, -
Seine Kraft möchte’ er verlieren.““

Zu Hemm’rich steht ein wohlgebautes Haus,
Dat es gedeckt met Leien,
Da kummt mein Lieb
Alle Sonndas heraus,
Bronenge seind sein’ Kleider.

Seind sie dann bronenge nich,
So seind sie roth scharlaken;
Un wewr ein schoon
Herzliebchen hat,
Der kann es wohl heimlich lachen.

Der Mönch sprang an dem Fenster heraus,
Die Kapp’ ließ er drin hängen:
Do hängst du Kapp’,
Du Deuvelslapp,
Ech trauen Dir ‘ne schöne Jungfrau an.

Un stirf de Bruck von Traurigkeit,
Wo soll man sie begraben?
Wohl unter den Rosen,
Kartümmelige Baum,
Das Grab soll Rosen dragen.

Un dräg et dann kein’ Rosen roth,
So dräg et Mant’lekärne;
Un wer ein schoon
Herzliebchen hat,
Der hat’s von Herzen gerne.

Der Bonner Germanistikprofessor und Sammler von Märchen, Sagen und Liedern Karl Simrock veröffentlichte 1861 den Text dieses Liedes nach einer Fassung, die in Graurheindorf aufgezeichnet worden war. Die 2. bis 4. Strophe wurden damals in romantischem Sinn umgedichtet. In dieser Fassung wird es noch heute landauf landab gesungen: Ein kleiner, aber nicht unbedeutender Beitrag des Bonner Raums zum deutschen Liedgut. Hier die Simrock'sche Fassung samt der dazu gehörenden Melodie [5 KB] :

2. Ich ging wohl vor Herzliebchens Tür,
Und redt mit falscher Zunge:
"Herzlieb, steh nur auf und tritt herfür".
Ich bring den Mai so grüne.
Tra la la, tra la la la la la,
Ich bring den Mai so grüne.

3. Der Mai, den du mir bringen willst,
Den laß du nur da draußen!
So setz ihn auf die weite, breite Straß,
Da wird er nicht erfrieren.
Tra la la, tra la la la la la,
Da wird er nicht erfrieren.

4. Nicht auf die weite, breite Straß,
Ich setz ihn vor die Türe.
So steh nur auf und tritt herfür,
Empfang den Maien grüne!
Tra la la, tra la la la la la,
Empfang den Maien grüne!

5. Der Mai, der Mai, der lustige Mai
Erfreuet jedes Herze.
Ich spring wohl in den Rhein
Und freue mich dabei
Und sing und spring und scherze.
Tra la la, tra la la la la la,
Und sing und spring und scherze.

Maiumzug am Roisdorfer Bahnhof 1935

Auch wenn manches dörfliche Brauchtum im Laufe der Zeit verschwand - das Maibrauchtum im Vorgebirge erfreute sich im 20. Jahrhundert weiter einer, wenn auch im Laufe der Jahrzehnte schwankender Beliebtheit. Nicht verschwiegen werden soll dabei, dass es in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde. So erklärte das NS-Regime den 1. Mai zum "Tag der nationalen Arbeit", wurden auch in Roisdorf Kundgebungen, Umzüge und Auftritte des Maipaares und folkloristisch anmutenden Tänzen der Hitler-Jugend veranstaltet.

Roisdorfer Maipaar 1933

Junggesellenverein "Gemütlichkeit"

Nach dem Krieg blühte das Junggesellen- und Maibrauchtum wieder kräftig auf. Unser Bild von ca. 1950 zeigt den Junggesellenverein „Gemütlichkeit“, dessen Mitglieder fast nur im „Dörp“, also in der Brunnenstraße beheimatet waren, samt dem Fähnrich Johann Cronenberg, der nicht nur im Mai, sondern auch etwa zur Roisdorfer Großkirmes die Bevölkerung mit seinen Künsten im Fähndelschwenken erfreute. Und natürlich gab es auch wieder stattliche Maipaare, die aus ihrer geschmückten Kutsche grüßten.

Maipaar Margret Pohl und Josef Palm 1956

Gleichwohl ließ das Interesse der Roisdorfer Jugendlichen am Maibrauchtum in den 1960er Jahren merklich nach, verschwanden die Vereine ebenso wie die Maifeste. Dies änderte sich aber wieder gegen Ende der 1980er Jahre: Die Gründung des Junggesellenvereins „Echte Fründe“ im Jahre 1994 wurde hauptsächlich von Frank Koch und Jochen Romes vorangetrieben. Bereits zuvor waren auf den vielen Junggesellenfesten im Vorgebirge waren die „Roisdorfer Jonge“ immer zahlreich vertreten gewesen. Nur dies halt nicht wie in den traditionellen JGV-Hochburgen als Ortsverein, sondern eher Zivil und Inkognito.

Roisdorf hat wieder ein schmuckes Maipaar 1995

Am Nikolaustag, dem 06.12.1994, war es dann endlich soweit, unter dem Motto „Runter vom Sofa, rauf ins Oberdorf“ fand eine Gründungsversammlung in der Gaststätte „Alt Roisdorf“ statt. Der Einladung folgten spontan 35 Roisdorfer Junggesellen und das Schicksal nahm seinen Lauf. Ein halbes Jahr später zählten wir bereits über 40 aktive Junggesellen! Es folgte die erste Maiversteigerung der Vereinsgeschichte aus der das erste Maipaar, Daniela Rech und Michael Schumacher, hervorging. Zum Gründungs- und Krönungsfest wurde am 30. April 1995 auf den Roisdorfer Dorfplatz ein geladen, wobei als Provisorium aus Schankwagen und Anbauzelte anstatt eines schönen Festzelts herhalten musste.

Das Fest wurde ein großer Erfolg und blieb bis heute ein fester Bestandteil des Roisdorfer Ortslebens. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Roisdorfer Junggesellenvereins "Echte Fründe" fanden zum Maifest 2019 die meisten der bisherigen Maipaare des Vereins zum Gruppenbild und zur Beteiligung am Festzug zusammen.

Roisdorfer Maipaare 1994 bis 2019

Maibaum der "Roisdorfer Böömchesfründe" 2021

Auch wenn die Einzelformen sich gewandelt haben – es ist schön zu sehen, dass die wesentlichen Elemente des Maibrauchtums in Roisdorf, wie auch im übrigen Vorgebirge, in den vergangenen wenigstens 150 Jahren dieselben geblieben sind: Ein schönes Zeichen kultureller Kontinuität und immer noch funktionierender dörflicher Gemeinschaft.

Roisdorfer Maipaar 2019

Das aktuelle Maiprogramm und weitere Informationen finden Sie im Jahre 2022 gewiss wieder auf den Internetseiten des JGV Echte Fründe e.V.
www.maitanz.com