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"Roisdorf wie es war"

Titelbild

Jet Joots ze schmuëre …, 1953

Quelle: Broel, Brunnenstraße

Die Brunnenstraße, von den alteingesessenen Roisdorfern „de Buënjass“ genannt, sie war und ist „et Dörp“, also der Kern, aus dem sich das Dorf entwickelt hat. Sie diente noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein vielen Roisdorfern als Einkaufsstraße, befanden sich hier doch Lebensmittelgeschäft, Metzgerei und gleich zwei Bäckereien, daneben Schreibwarengeschäft und Geschäft für Malerbedarf. Und es gab auch einen eigenen Tabakwarenladen, nämlich den der Familie Gratzfeld, später Broel, die dort im Jahre 1928 in einem Fachwerkhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert einen Tabakwarengroßhandel etablierte und 1953 einen kleinen Verkaufsladen einrichtete, in dem es bis in die 1990er Jahre neben Zigarren, Zigaretten und Zigarillos auch noch Zeitschriften und andere Kioskware zu kaufen gab. Den neuen Laden hielt in einem Ölgemälde der begabte Hobbymaler Fritz Trost fest, der in den 1950er Jahren Lehrer an der Roisdorfer Volksschule war. Von ihm sind einige weitere schöne Aquarelle und Ölgemälde erhalten, die Ansichten von Roisdorfer Gebäuden und Landschaften dokumentieren.

Januar

Ein moderner Altar für den Pfarrpatron, 1950er Jah

Quelle: Pfarrarchiv St. Sebastian

Als Anhänger der sog. „Liturgischen Bewegung“, deren zentrales Anlie-gen eine neue Weltzuwendung aus der Mitte des Glaubens war, die im Vollzug der Liturgie die eigentliche Würde des Menschen sah, war es Matthias Ossenbrink, Pfarrer in Roisdorf von 1941 bis 1967, ein wesentliches Anliegen, seine Pfarrkirche zeitgemäß umzugestalten. Eine weniger bunte farbliche Neufassung des Innenraums nach Entwürfen des Kölner Architekten Hans Hansen und der Ersatz der als überladen empfundenen historistischen Ausstattung durch schlichtere Elemente ging er bereits 1953 an, so auch die Ersetzung des alten St. Josefsaltars durch einen eigenen, dem Pfarrpatron St. Sebastian gewidmeten Seitenaltar in typischen Formen der Nachkriegszeit. Geschaffen wurde die hölzerne Rückwand, vor der man die ausdrucksstarke Statue des hl. Sebastian aus dem späten 18. Jahrhundert platzierte, in Roisdorf selbst als Gesellenstück des Roisdorfers Erwin Alef. Lange präsentierte sich der Altar allerdings nicht in dieser Weise: Etwa 25 Jahre später wurde die Pfarrkirche zugunsten des heutigen Neubaus aufgegeben.

Februar

Bhagwan auf dem Heimatblick, 1986

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

Einst tanzten sie in ihren auffälligen roten und orangenfarbenen Gewän-dern durch die deutschen Großstädte, die „Sannyasin“, die meist jungen Anhänger des charismatischen indischen Gurus Bhagwan Shree Rajneesh. Sie gründeten Kommunen und suchten mit Meditation, Yoga, Singen und Tanzen nach sexueller Befreiung und spiritueller Erlösung. Heute, mehr als 30 Jahre nach dem Tod des Gurus, ist davon nicht mehr viel übrig geblieben, doch in den 1980er und 90er Jahres waren sie allenthalben präsent. Grund genug für die Roisdorfer „Bitbröder“, die drei Freunde Johannes Kuhl, Berthold Kreutzberg und Peter Welter, die kuriose Bewegung im Weiberfastnachtszug mit einem eigenen Wagen aufs Korn zu nehmen: „Jetz reist de Bhagwan och ad op de Heimatblick!“. Sie scheuten dabei nicht den beträchtlichen Aufwand hinsichtlich professioneller Kostümierung und Schminke, für den sie sich fachkundiger Unterstützung durch das Bonner Stadttheater versicherten. Dies taten sie später regelmäßig auch mit anderen Motiven – so als Stefan Raabs, als Merkel und Stoiber oder als Titanic-Paar – und gehörten damit als vielleicht kleinste Gruppe doch zu den umjubelten Stars des jeweiligen Zuges.

März

Et Bähnche kütt! 1950er Jahre

Quelle: unbekannt

Etwas verloren steht er da, der Knirps auf der gepflasterten Zufahrt zum damaligen Roisdorfer Güterbahnhof der Köln-Bonner-Eisenbahnen AG, die von Alfter anrauschende Bahn erwartend. Der hier zu sehende, markant rot-cremefarben gestaltete KBE-Triebwagen ET57 war der Vertreter einer ganzen Reihe von elektrobetriebenen Fahrzeugen, die speziell für den Personenverkehr entwickelt ab 1930 die Strecke der Vorgebirgsbahn wie auch der Rheinuferbahn befuhren. Er wurde ab 1951 eingesetzt und umfasste neben Personenabteilen auch Packabteile zum Transport von Post und Gepäck. Nachdem er in den 1980ern ausgemustert worden war, bemüht sich aktuell der Wesselinger Verein ET57 e.V. mit Mitteln des Landes NRW aus dem „Förderprogramm Verkehrshistorische Kulturgüter“ darum, ein letztes verbliebenes Exemplar unter Verwendung originaler Materialien. Samt dem charakteristischen blauen Kunststoffbezug der Sitze, wiederherzustellen, um das seit 2009 unter Denkmalschutz stehende Schienenfahrzeug nicht nur zu erhalten, sondern auch wieder in Betrieb zu nehmen und in seinem früheren Einsatzgebiet, auf den Strecken der heutigen Stadtbahnlinien 16 und 18, Sonderfahrten durchzuführen.

April

Mit Volldampf in die Zukunft, Mitte 19. Jahrhunder

Quelle: Gierlich, Siefenfeldchen

Es war schon ein spannender Fund beim Umgraben im Garten oberhalb des Siefenfeldchens: Ein unscheinbarer Metallknopf von 2,6 cm Durchmesser, auf dem man nach dem Säubern eine altertümliche Dampflokomotive sowie die Großbuchstaben B.C.E. erkennen konnte, also offenbar der Knopf einer Eisenbahneruniform der Bonn-Cölner Eisenbahn. Diese fuhr ab dem 1. März 1844 von dem Bonner Bahnhof an der Poppelsdorfer Allee über Brühl zum Kölner Endbahnhof „An St. Pantaleon“ und zurück, zunächst drei-, dann sechsmal, wobei bereits im selben Jahr es Sonderzüge etwa zu den Karnevalsveranstaltungen in Köln oder zum Margarethenfest in Brühl gab. Die Fahrt von Bonn nach Köln dauerte ca. 1 ½ Stunden. Natürlich hielt der Zug auch am neuen Stationsgebäude in Roisdorf, das man an das Ende der Brunnenallee gesetzt hatte, sich Gäste für den Besuch des damals ausgebauten Mineralbrunnens erhoffend. Auch wenn dies nur in bescheidenem Maße erfolgte, so stellte die Bonn-Cölner-Eisenbahn doch den wesentlichen Motor der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Dorfes im 19. Jahrhundert dar.

Mai

Schottenrock vor dem Bahnhof, Anfang 1920er Jahre

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

In der Folge des verlorenen Ersten Weltkriegs musste die provisorische deutsche Reichsregierung nach dem Waffenstillstand von Compiègne am 11.11.1918 darin einwilligen, dass Truppen der alliierten Siegermächte das Gebiet links des Rheins besetzten und 1920 die Interalliierte Rhein-landkommission mit Sitz in Koblenz die Zivilverwaltung übernahm. Auch in Roisdorf wurden Angehörige von Truppenteilen in Privathaushalten einquartiert. Hierzu gehörten auch solche einer schottischen Einheit, die, wie Berichte und einige Fotos dokumentieren, durchaus ein freundschaftliches Verhältnis zu den Bewohnern pflegten. Unser kleines, leider etwas verschwommenes Bild dokumentiert eine schottische Militärkapelle vor dem Roisdorfer Bahnhofsgebäude. Die Besatzungszone im Umkreis von Köln wurde infolge der Verträge von Locarno bis 1926 geräumt.

Juni

Siegreicher Roisdorfer Feuerwehrnachwuchs, 1987

Quelle: Romes, Brunnenstraße

Mit der Gründung der Jugendfeuerwehr im Jahre 1978 intensivierte die Roisdorfer Freiwillige Feuerwehr ihre Jugendarbeit, was bereits 1980 die ersten Früchte zeigte: In diesem Jahr wurden die ersten sieben Kameraden aus der Jugendfeuerwehr in die aktive Gruppe übernommen. Fast in jedemJahresbericht wird die zunächst unter der Leitung von Brandmei-ster Paul Blascyk stehende aktive Jugendfeuerwehr lobend erwähnt. Im Jahre 1987 präsentierten sich anlässlich des Jubiläums der Walberberger Feuerwehr die siegreichen Roisdorfer Wettbewerbsteilnehmer: Andreas Schäfer, Thorsten Alef, Jochen Romes, Andreas Reske, Hans Wilhelm Klemmer sowie als Zweiter von rechts, der im Jahre 2021 unerwartet verstorbene, tief betrauerte Bert Arenz, der über Jahrzehnte einer der aktivsten und hilfsbereitesten Menschen im Dorf war, dies nicht allein im Rahmen der Freiwilligen Feuerwehr, die er neun Jahre lang als Löschgruppenführer bzw. zuvor sieben Jahre als dessen Stellvertreter leitete.

Juli

Hier lässt es sich auch heute trefflich einkehren,

Bereits jenseits der Grenze zu Alfter gelegen, aber gefühlt noch im Roisdorfer Bereich, findet sich seit 1858 auf den Höhen über den Vorgebirgsorten die Gartenwirtschaft „Buchholz“, zunächst ein einfaches Fachwerkhaus mit allerhand Gartenlauben, wo Ausflügler zu Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken nach einer Wanderung durch den Vorgebirgs-wald einkehren konnten. Das Anwesen der Familie Thomé – diese ist auf unserer Ansichtskarte die Gäste erwartend zu sehen – erlebte seine Blütezeit im frühen 20. Jahrhundert, als es um weitere Gebäude und einen Tanzpavillon ergänzt wurde, bevor es in der Nachkriegszeit dann verfiel, aber nach 1970 durch die neue Gastwirtsfamilie Dreesen groß-zügig zum „Herrenhaus Buchholz“, einem Treffpunkt der Größen der Bonner Republik, ausgebaut wurde. Nach zeitweisem Leerstand wird die Anlage heute vor allem als Event-Location, also als Ort für private oder geschäftliche Feierlichkeiten jeglicher Art sowie kulinarische Abende, gerne genutzt, und auch der sonntägliche Wanderer kann sich des Sommers hier wieder in der Gartenwirtschaft trefflich stärken.

August

Mineral-Brunnen und mehr, ca. 1900

Quelle: Mangels, Bonner Straße

Eine wertvolle Quelle dafür, wie sich Roisdorf in vergangener Zeit präsentierte, sind stets die Ansichtskarten, die von den Inhabern der Roisdorfer Gaststätten bzw. Ausflugslokale als Werbemaßnahme in Auftrag gegeben wurden. Hier haben wir nun eine schöne Farblitho-graphie, auf der das „Hotel-Restaurant H. Weber“ samt Gartenwirtschaft am Brunnenplatz hervorgehoben vorgeführt wird, eine Anlage, die leider in den 1970er Jahren abgebrochen wurde, ebenso sieht man den gegenüber gelegenen „Roisdorfer Mineral-Brunnen“, bei dem auch das Bähnchen zu finden ist, das gerade in die Brunnenallee einbiegt, an deren Ende sich das „Etablissement v. F.W. Jammersbach“, also die Gammersbach‘sche Lack- und Lederfabrik, samt Direktorenvillen und Bahnhof befindet. Angesichts des mangelnden Platzes auf der Karte mit verkle-inertem Turm, aber doch mit dem damals neuerbauten, inzwischen längst verschwundene Pastorat dargestellt, ist die Pfarrkirche St. Sebastian. Kaum zu entziffern sind die launigen Sprüche, mit denen die Ausflügler damals die Ansichtskarten zu versehen pflegten.

September

Ein schwieriges Denkmal, 1960er Jahre

Quelle: Stadler, Pützweide

Noch ist sie hier an ihrem angestammten Platz in der Brunnenstraße zwischen den Häusern Nr. 73 und 75 zu sehen: Die alte Handpumpe, die aus der Zeit stammt, bevor die Roisdorfer ab 1891 ihr Trink- und Nutzwasser aus Wasserleitungen beziehen konnten. Solche Schwengelpumpen waren im Laufe des 19. Jahrhunderts, nicht zuletzt von der Roisdorfer Schmiede der Familie Schmidt, im ganzen Vorgebirge installiert worden. Es ist das einzige Exemplar einer öffentlichen Pumpe aus unserem Ort, das sich aus dieser Zeit erhalten hat, wobei es sich heute, beschädigt und völlig unbeachtet, auf dem Parkplatz vor dem Bornheimer Rathaus befindet. Nach intensiven Bemühungen des Bornheimer Heimat- und Eifelvereins sowie der Heimatfreunde Roisdorf bei der Stadt Bornheim und bisweilen hitzigen Diskussionen ist inzwischen geklärt, was mit diesem Denkmal künftig geschehen wird. Die Pumpe soll in absehbarer Zeit restauriert und wenn schon nicht an ihren ursprünglichen Standort in der Brunnenstraße, so doch in der Lüste als Station des vom Heimat- und Eifelverein eingerichteten Bornheimer Quellenwegs, mit entsprechendem Hinweis, zurückversetzt werden werden.

Oktober

„Maht vörran, der Sultan hät Duërsch!“, ca. 1908

Quelle: Birgit Sander, Herne

Dass die Stärke des Roisdorfer Mineralbrunnens in der regionalen Vermarktung liegt, hatte sich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch nicht herumgesprochen. Im Gegenteil: Ein Versand des Wassers erfolgte buchstäblich in alle Welt, wie es etwa auch schon zu Ende des 18. Jahrhunderts nach England, Russland und nach Übersee ausgeführt wurde und wie dies spätere Fotos von mit San Francisco beschrifteten Transportkisten belegen. Und offenbar konnte man sich trefflich damit schmücken, dass selbst im fernen Orient Roisdorfer Wasser hoch geschätzt wurde. Zumindest suggeriert dies die kürzlich aufgetauchte, aus dem Restaurant des Kölner Hotels Adler stammende Menükarte von ca. 1908, auf der der Transport von Kisten der „Roisdorfer Mineralquelle“ am Strand des Nahen Ostens abgebildet ist und ein dunkelhäutiger Muselmane mit einer Flasche Roisdorfer Wasser „vor einem arabischen Kaffeehause“ posiert. Das leckere Menü, zu dem unser Wasser offenbar bestens mundete, ist übrigens das folgende: „Consommé in Tassen mit Geflügelklößchen, Majonnaise von Hummern u. Crevetten, Gespicktes Kalbsfricandeau m. Blumenkohl, Junge Mast Enten mit eingemachten Früchten, Citronen Creme mit Vanille Sauce“. Sollte man vielleicht mal ausprobieren! Die Heimatfreunde verfügen über die Zutatenliste.

November

Nach Roisdorf – der Kunst und der Liebe wegen, 190

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

Dass es sich bei Wilhelm Graf von Mörner (1831-1911), nach dem die Roisdorfer Mörnerstraße benannt wurde, um einen anerkannten, aus Schweden stammenden Maler, Architekten und Bauforscher handelte, der sich als Ruhesitz in den Hang beim Roisdorfer Siefenfeldchen das schmucke Schlösschen setzte, das heute das „Haus Tauwetter“ beherbergt, dürfte wohl den meisten Roisdorfern bekannt sein. Kaum jemand jedoch weíß wohl, wie er wirklich aussah. Erst im vergangenen Jahr tauchte im Kunsthandel ein Gemälde von Adolf Lins auf, dem sog. „Gänselins“, der ebenso wie Mörner der Düsseldorfer Malerschule zugerechnet wird. Es zeigt Mörner im Alter von 75 Jahren, mit Zigarre in der Hand und bekleidet mit der für ihn offenbar typischen grünlichen Jägerjacke. Damals weilte Mörner jedoch bereits nicht mehr in Roisdorf, da er, nachdem seine Gattin in einem Sanatorium ihren ständigen Auf-enthalt genommen hatte, ebenfalls wegzog und schließlich allein und vereinsamt in Koblenz verstarb. Das nun entdeckte Gemälde befindet sich in einem recht erbärmlichen Zustand und wurde für dieses Kalen-derbild lediglich fotografisch restauriert.

Dezember

Nur ewigen und ernsten Dingen geweiht, 1947

Pfarrarchiv St. Sebastian

Bereits zweimal waren die Glocken der Roisdorfer Pfarrkirche St. Sebastian in kurzer Abfolge „Opfer auf dem Altar des Vaterlandes“ geworden, wie Pfarrer Matthias Ossenbrink es in einer Ansprache ausdrückte – sprich man hatte das Geläute im Ersten und im Zweiten Weltkrieg eingezogen, um ihr Metall für Kriegsgerät zu verwenden. Das sollte nicht noch einmal passieren. Die neuen Glocken, die man im Jahre 1946 bestellte, sollten keine Bronzeglocken mehr sein, vielmehr solche aus Gussstahl, wie sie vom sog. „Bochumer Verein“ seit der Mitte des 19. Jahrhunderts angeboten und die in alle Welt exportiert wurden – wie u.a. die Friedensglocke von Hiroshima. Gerne nahm man den etwas härteren Klang der Stahlglocken im Vergleich zu den Bronzeglocken in Kauf. Der Empfang der vier neuen Glocken und deren Weihe bedeuteten für die Roisdorfer das erste festliche Großereignis nach Kriegsende und damit ein besonderes Zeichen der Hoffnung auf friedlichere und glücklichere Zeiten. Am 16. Januar 1947 wurden sie in feierlichem Zuge von der Obst- und Gemüseversteigerung zur Kirche gefahren. Der Aufhängung folgte am 25. Januar noch ein Hochamt mit Orchesterbegleitung. "Nur ewigen und ernsten Dingen sei ihr metallner Mund geweiht!" Dieser Spruch zierte ein eigens gedrucktes Einladungsblatt zur Glockenweihe.